Modernes Theater in Indien

Literaturforum Indien e.V. und Evangelische Akademie Villigst

12. - 14. Mai 2017, Iserlohner Str. 25, 58239 Schwerte

          

Indien blickt auf eine zweitausendjährige Theatertradition zurück. Herausragend sind die Sanskrit-Dramen von Kalidasa, dessen Shakuntala nicht zuletzt auch deutsche Literaten der klassisch-romantischen Epoche begeistert und beeinflusst hat. Außer der höfischen Tradition des Sanskrit-Theaters gab und gibt es viele Formen des Volkstheaters in den Regionalsprachen. Bis heute erreichen diese meist nachts unter freiem Himmel aufgeführten Stücke ein so großes Publikum, dass es in keinen Theatersaal passen würde. Behandelt wurden außer den großen Themen von Religion und Mythologie immer auch die realen Lebensbedingungen der verschiedenen Gesellschaftsschichten und deren Inter-aktion. Auch komische und groteske Elemente fehlen nicht und musikalische oder tänzerische Einlagen bilden bis heute einen wichtigen Teil des indischen Theaters. In der Kolonialzeit entwickelte sich unter englischem Einfluss  ein bürgerliches Theater, das in Theatersälen europäischen Stils aufgeführt wird. Seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts haben progressive Autoren Einflüsse des epischen und sozialkritischen Theaters aus West- und Osteuropa aufgenommen und das Theater zum Instrument für politische Bewusstseinsbildung und sozialen Wandel geformt.

Referentinnen und Referenten aus deutschen und indischen Hochschulen informieren, teils mit audio-visuellen Präsentationen, über die vielfältigen Facetten der höchst lebendigen Theaterszene, in der die großen Themen des gesellschaftlichen Diskurses aufgegriffen werden.





        

kürzlich erschienen:

Dilip Kumar Roy/Indira Devi:

Die Bettlerprinzessin. Das Leben der Mirabai - Schauspiel in fünf Akten

Hamburg: tredition, 2016, 184 S., erhältlich als Paperback und E-Book

Dilip Kumar Roy, Schüler von Sri Aurobindo, spiritueller Lehrer, Sänger in der Tradition der klassischen nordindischen Musik, Autor von Romanen, Dramen, Gedichten in Bengali und Englisch, und seine Schülerin Indira Devi verfassten gemeinsam dieses Schauspiel, das in 5 Akten zentrale Episoden aus dem Leben der Dichter-Heiligen Mirabai veranschaulicht.

Mirabai wurde im 16. Jh. in einem fürstlichen Haus in Rajasthan geboren und standesgemäß mit einem Prinzen verheiratet. Ihre eigentliche Liebe galt allerdings Krishna, dem ewig jugendlichen Gott mit der Flöte, deren Klänge jeden verzaubern, der sie vernimmt. Nach dem Tod ihres Gemahls war Mirabai wegen ihrer als ungehörig angesehenen spirituellen Neigung von Seiten ihrer angeheirateten Verwandten härtester Drangsalierung ausgesetzt, die bis zum Mordversuch ging. Daraufhin verließ sie die Welt der Paläste und zog als wandernde Asketin, ihren göttlichen Geliebten besingend, durch Indien.

Das Stück vereinbart bühnenwirksame Handlung mit psychologischer Tiefe und authentischer Darstellung der Philosophie des Bhakti-Yoga. Die Dialoge spiegeln die Entwicklung von kindlicher Schwärmerei zur vollen Entfaltung einer Gottesliebe, der alle anderen Ziele und Motive untergeordnet werden und die schließlich zu der ersehnten mystischen Union führt. An vielen markanten Stellen wird die Handlung durch lyrische Einlagen unterbrochen. Es handelt sich dabei um Übersetzungen der Lieder Mirabais, wie Indira Devi sie in ihrem Yoga-Samadhi gehört hat.

zum Angebot bei tredition

             

 

Wie queren wir Flüsse? Geschichten und Gedichte vom indischen Subkontinent

herausgegeben von Ines Fornell und Reinhold Schein

Heidelberg: Draupadi Verlag, 2016, 187 S.

Eine Anthologie, herausgegeben anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Literaturforums Indien e.V. und präsentiert auf dessen Jahrestagung 2016



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