Sudeep Chakravarti: Highway 39. Reportagen aus Indiens aufständischem Nordosten, übersetzt von Anna Petersdorf und Reinhold Schein, Heidelberg: Draupadi Verlag 2014
 

"Wollen Sie eine ehrliche Antwort? Ich betrachte mich nicht als einen Inder.“

Die 436 Kilometer lange Straße zieht sich durch das nordöstliche Indien. Sie beginnt in Numaligarh am südlichen Ufer des Brahmaputra in Assam und reicht bis Moreh in Manipur, an der Grenze zu Myanmar. Dieser Highway führt durch eine politisch äußerst unruhige Landschaft. Seit den 1950er Jahren ist diese Region, insbesondere die Bundesstaaten Nagaland und Manipur, geprägt durch permanente Aufstände und durch ein erschreckendes Desinteresse der indischen Regierung.

Die Reportagen des bekannten indischen Journalisten Sudeep Chakravarti bieten ungewöhnlich detaillierte Einblicke in die komplexe Realität dieses langwierigen und weitgehend unbekannten bewaffneten Konflikts. Der Autor lässt hochrangige Regierungsvertreter, Politiker und Militärs ebenso zu Wort kommen wie Untergrundführer, Angehörige von Bürgerbewegungen, Frauengruppen, Kulturschaffende und Opfer von Menschenrechtsverletzungen durch Polizei oder paramilitärische Einheiten.
         




Malashri Lal, Namita Gokhale (Hg.): Auf der Suche nach Sita. Neue Blicke in die indische Mythologie, Draupadi Verlag, Heidelberg 2013

Sita, die Heldin des Ramayana, entfaltete über Jahrhunderte eine enorm prägende Wirkung auf die Mädchen und Frauen Indiens. Sie sollten sein wie Sita: klug, tapfer, geduldig und vor allem ihrem Gatten gegenüber in jeder Lage loyal, ihm immer treu ergeben: die perfekte Ehefrau.

Die Essays, Interviews und Kurzgeschichten dieser Anthologie beleuchten die Rolle Sitas als Leitbild vieler Generationen. Sie untersuchen, wie Gandhi und Nehru Sita für ihren gewaltfreien Unabhängigkeitskampf einsetzten und wie sie auf die heutige junge Generation wirkt. In Indien ist die Mythologie bis heute fest in das tägliche Leben integriert. Man kennt die Helden und Heroinnen der Epen, man identifiziert sich mit ihnen, sie wirken persönlichkeits-bildend bis in tiefe Schichten der Seele.

In dieser Anthologie wird das Leitbild Sita auf den Prüfstand gestellt: War sie wirklich so still, geduldig, fügsam, wie eine patriarchalische Tradition sie sehen will? Ihr gegenüber steht als Rollenmodell die starke, autonome, manchmal wütende Frau wie etwa Draupadi, eine der eindrucksvollsten Figuren im Mahabharata. Das Buch hilft zu verstehen, wie Inder, und besonders Inderinnen, denken und fühlen, welche Ideale und Vorbilder sie verinnerlicht haben und wie sie sich aus den Fesseln des Patriarchats herausarbeiten.

                                                                                




Abhishiktananda (Henri Le Saux): Wege der Glückseligkeit. Begegnung indischer und christlicher Mystik, 232 S., Kösel Verlag, München 1995. Titel der Originalausgabe: ‚Saccidānanda. A Christian Approach to Advaitic Experience’, revised Edition, Delhi 1984